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Unkommentiert: Das Ende ist nah…

22. Dezember 2009

Das Ende ist nah…

Von Daniel Amon
Eigentlich begann mein Tag ganz gut. Heute morgen um 10 traf sich die Dekan-Findungskommission der EPB Fakultät, der ich angehöre.

Zufälligerweise war auch der Vizepräsident Fischer anwesend. Im Anschluss an die Sitzung bat ich ihn um ein kurzes Gespräch. Mein Anliegen war, über eine eventuell bevorstehende Räumung zu Sprechen, vor dem Hintergrund das ich vermeiden wollte, das eine Hundertschaft der Polizei das Audimax gewaltsam stürmt. Ich war und bin der Meinung, das das für die gesamte Universität die schlechteste Lösung ist.

Er stimmte mit mir darin überein und betonte, das auch das Präsidium daran kein Interesse habe. Dabei erwähnte er, das er ohnehin gerade auf dem Weg ins Audimax sei, um sich einen persönlichen Eindruck von der Situation dort zu machen.

Und nein, ich bin nicht der Meinung, wie sie in darauf folgenden Gesprächen im Audi geäußert wurde, ich hätte dem Vizepräsidenten den Zutritt zum Audi untersagen müssen.

Der erste Eindruck vom Audi, das ich seit 2 Tagen nicht mehr gesehen hatte, war nicht der Beste. Die Ansammlungen von Müll und Gerümpel nahm seit dem deutlich zu. Aber ok. Es befanden sich ca. 4 Leute im Foyer. Weil der Vize sich gern weiter umschauen wollte, gingen wir ins Audi I. Dort saß eine Gruppe von ca. 5 Punks zusammen, die ich noch nie gesehen habe. Als wir an der Bühne angekommen waren (weder ich, noch der Vize hatten auch nur 1 Wort mit den Anwesenden gewechselt), sprang einer der Punks vom Sofa auf in einen Einkaufswagen, wo er Fischer und mir seinen blanken Hintern zeigte. Weder sonderlich schockiert, noch sonderlich erfreut verließen wir wortlos das Audi I.

Auf dem Weg nach draußen fragte er mich, ob ich diese Gruppe „wirklich zu meinen Leuten zählen würde?“ Wie immer sagte ich, das das Audi eine heterogene Gruppe sei. Jedoch konnte ich es beim besten Willen nicht unterlassen, auch zu sagen, das das zeigen von blanken Hintern in der Regel nicht zu dem Verhalten meiner politisch aktiven Freude zähle.
Zurück im Foyer wollte ich eigentlich mit Fischer noch ins Audi II, um zu zeigen, das dort sicher gerade irgendeine Art von konstruktiver Arbeit stattfindet. Leider schlief das Audi II noch. Wie sich später herausstellte war es auch weit besser, dort nicht hin zu gehen. Zwar wurde ich dort nicht angepöbelt, dafür war ich erschrocken vom Zustand des Hörsaals. Überall Essensreste zwischen Schlafsäcken und Müll. Ich habe 2 Bilder gemacht, die ich, aus welchen Gründen auch immer nicht publizieren möchte…

Fischer ging, wir diskutierten noch kurz darüber, welchen Sinn die Besetzung zum gegenwärtigen Zeitpunkt mache. Fischers Standpunkt war der, das es keinen Sinn mache, einen derart großen „Freiraum“ weiter zu besetzen. Er plädierte dafür, den Saal frei zu machen und stellte dafür in Aussicht, nach den Ferien den Kellerraum zur Verfügung zu stellen. Seine Hauptargumente waren die folgenden:
– Beschäftigung von Sicherheitspersonal 24h
– Heizkosten
– Vandalismus

Ich konnte dazu nicht viel sagen, mir ist in dieser Situation nicht wirklich ein Argument eingefallen, das ich dem hätte entgegensetzen können. Ich sagte, das Plenum, würde sich mit seinem Vorschlag befassen. Wohl wissend, das das wahrscheinlich nicht der Fall sein würde.

Mit einem Auge schielte ich bereits in „das Büro“ und sah , das die Scheiben von innen voll getaggt waren. Fischer ging, er wollte sich irgendwann per Telefon melden. Ich stand etwas verdutzt im Foyer, und nach einer kurzen Diskussion mit Anwesenden darüber, das die Besetzung ein Erfolg sei, und es nur etwas mehr Zeit zur Entwicklung bedürfe, entdeckte ich einen weiteren Punk, der ,mit aus seinen Shorts heraushängenden Hoden, auf dem Infotisch schlief.

Daraufhin platzte mir der Kragen und ich schrie ihn an, er solle seinen Arsch vom Infotisch runter bewegen und etwas Respekt vor den Dingen haben, die andere nicht nur diskutiert und entworfen sondern auch gedruckt und sortiert haben. Er verstand nach und nach mit lauter werdendem Ton, wovon ich sprach.
Dann ging ich weiter in Richtung „des Büros“. Es war verschlossen, keine Ahnung warum eigentlich. Die Scheiben sind von Innen zu getaggt, der Rechner, den ich großzügiger weise aus dem Computerraum der Psychologen bekommen hatte, war ebenso voller Schmierereien. Der Drucker, den ich vor 3 Wochen besorgte war voll von Tabakresten, der Fußboden kaum zu sehen vor Müll.
Ich holte den Wagen der Eltern meiner Freundin und habe versucht zu retten, was noch zu retten war. Soweit zu meinem Tag. Nun zu den weiterführenden Gedanken, die mir so durch den Kopf gingen, während der ganze Scheiß zu erledigen war.

Als ich vor 3 Wochen den ganzen Krams an schleppte, dachte ich, es sei eine gute Idee, einen Ort zu haben, der eine feste Funktion hat. Eine Funktion, die eine gewisse Beständigkeit dadurch aufweist, weil sie nicht (durch Unwissenheit, Dummheit oder Mutwilligkeit) zerstört wird. Ich dachte, es sei besser, einen Ort zu haben, der nur manchmal offen ist, als innerhalb von Tagen alles erarbeitete wieder zu verlieren.
Daher war das Büro oft auch mal abgeschlossen. Mit der Zeit, als ich feststellen musste, dass es für mich Probleme gab, die aus ganz verschiedenen Gründen nicht hinreichend diskutiert werden konnten, zog ich mich etwas zurück, hinterließ einen Schlüssel, in der Hoffnung, es würde schon irgendwie laufen. Ich Trottel!

Ich fange mal von vorne an, und will versuchen, mich kurz zu fassen. In den ersten Wochen der Besetzung war ich nicht dabei. Ich war krank und konnte nicht wirklich konstruktiv arbeiten. Als dann die Lenzen Affäre ins Rollen kam war ich schockiert und entsetzt genug, um für mich den Entschluss zu treffen, ein Teil einer Bewegung zu werden, die sich gegen die Missstände an der UHH wendet, und dabei auch den Bundesdeutschen und globalen Hintergrund nicht zu vernachlässigen.

Ich begriff die andauernden Bildungsproteste als HISTORISCHE Gelegenheit, endlich wirkliche Veränderung mit zu gestalten.

Ich bin seit 5 Semestern an der UHH und erschüttert über deren Zustand. Es gibt im Großen wie im Kleinen keine Zeit und/oder kein Interesse, über eine Zukunft auf ganz verschiedenen Ebenen nachzudenken. In meinem Fachbereich, der Psychologie, ein Bild des Grauens. Keine studentische Mitwirkung an der Entwicklung des Fachbereiches. Die Gremien verdienen kaum mehr diesen Namen. Dem Untergang wird zugeschaut, nichts passiert.

Versprechen, alles werde besser kann ich nicht mehr hören. Nicht an meinem Fachbereich, nicht an der UHH, nicht von „der Politik“. Dieses dumme, besänftigende Geschwafel hat mit der Realität, wie ich sie erfahre rein gar nichts zu tun.
Es schien mir reizvoll, dieser immer größer werdende Kluft zwischen meinem Verständnis von Demokratie und meinen Erfahrungen ein deutliches, provozierendes und radikales Zeichen entgegen zu setzen. Endlich passiert etwas. Endlich kein Glaube mehr an Heilsversprechen. Die Studierenschaft emanzipiert sich vom Zwang zur Leisung, glaubt endlich an eine wirkliche Verbesserung nicht nur Ihrer, sondern auch der gesamtgesellschaftlichen Bedingungen, unter denen Bildung im Jahr 2009 stattfindet.

Ein europaweiter Aufschrei der Träumer. Derer, die sich nicht abspeisen lassen mit den Vorteilen von Wettbewerb und Konkurrenz. Derer, die noch darum Wissen, das die Zukunft aktiv gestaltbar ist und kein Schicksal, dem man sich unter zu ordnen hat. Derer, die darum wissen, das eine Gesellschaft, die immer mehr geprägt ist von Egozentrismus, dem Untergang geweiht sein muss. Derer, die Lichtblicke im Grau unserer Zeit noch sehen können. Davon gibt es nicht viele. Ich selbst hatte keinen Glauben mehr an eine Protestwelle, wie sie seit einigen Monaten Europa erschüttert.

Und eben dies meine ich, wenn ich von einer HISTORISCHEN Chance spreche.
Natürlich erinnert man sich an die Geschichten aus 68. An alles, was mit der Zeit verbunden wird. Stolz war ich auf diese Bewegung, der ich angehörte. Stolz darauf, irgendwann zurückblicken zu können und zu sagen: Ich war dabei damals, es war eine tolle Zeit, eine Zeit der Rebellion. Nicht der Rebellion wegen, sondern der Inhalte wegen. Weil es um viel ging, um eine lebenswerte Perspektive für unsere Gesellschaft.

Soweit der Traum. Der heutige Tag zeigte mir deutlicher als jeder zuvor, das wir auf dem besten Wege sind, mit Füßen zu treten, was wir eigentlich wollen. Im Moment wird das Audimax seiner Verantwortung nicht gerecht.
Ich habe das Gefühl, als wüssten nicht genug „Besetzer“, was hier alles auf dem Spiel steht. Klar, es stimmt. Die Protestwelle hat manches erreicht. Es wird im Bundestag und diversen Talkshows über Bildung gesprochen. BA/MA sollen reformiert werden. Wie so vielen ist mir das ziemlich egal. Soll irgendwo doch palavert werden. Das ist ein netter Nebeneffekt, aber nicht das, warum ich im Audimax bin.
Mir geht es darum, das die Gruppe der Studierenden ernst genommen wird. Das neue Möglichkeiten der Partizipation geschaffen werden, die nicht da enden, wo irgendetwas versprochen wird. Es ging mir auch nie darum, welche legitimen Interessen die Audimaxbesetzer haben. Weil diese nicht durchsetzbar sind! In der momentanen Situation verhandelt niemand ernsthaft mit dem Audi, weil maximal 50 Studenten dort Forderungen formulieren, meist deutlich weniger! Das ist Quatsch. Legitimer Quatsch zwar, weil natürlich jeder das Recht hat, zu fordern, was immer er möchte. Quatsch aber deswegen, weil es eine GROSSE GROSSE Gruppe unter den Studierenden gibt, die sehr unzufrieden sind mit den Bedingungen ihres Studiums. Egal welcher Fachbereich, die WiWis klagen doch genau so wie die Erziehungswissenschaftler, etc.

Eine Chance wird deswegen verschlafen, weil sich viele mit ihren kleinen Forderungen zufrieden geben. Weil es ein besseres Ziel zu sein scheint, mit 30 Leuten die Weltrevolution zu fordern, statt mit tausenden endlich ernsthaft z.B. an einer Abschaffung der Studiengebühren zu arbeiten. Nur zur Erinnerung, diese Einstellung teilen ca. 97% der Studierenden. Ich sagte es bereits in Plena, und wiederhole es gern hier noch einmal. Es kann bei dieser Besetzung nicht darum gehen, Studierende zu mobilisieren!! Dieser Plan geht seit Wochen gründlichst schief, nur leider fehlt der Wille zur gründlichen Analyse. Meine geht so: Wenn es gelingen würde, die Barrieren zu beseitigen, die die Unzufriedenen daran hindert, sich zu beteiligen, könnten wir uns vor Menschen kaum retten.
Warum müsst ihr nur so stur sein, zu denken, wenn man sich einmal VORRANGIG mit den Themen der UHH beschäftigt, würde man seine sonstigen, weiterführenden Ziele verraten. Das Gegenteil ist der Fall.

Nichts wird erreicht werden, wenn nicht endlich der ernste Versuch einer Öffnung unternommen wird. Nichts an der UHH wird anders werden, das verspreche ich euch. Toll. Dann gibt es einen weiteren Freiraum im Audimax Keller. Und dann??? NICHTS wird besser werden. Ein Strohfeuer. Ein Witz im Geschichtsbuch der Hansestadt. Ein paar Verrückte Utopisten & Randalierer, damit wird man unseren Protest beerdigen. Und bevor recht verstanden wurde, was passierte, befinden wir uns wieder im selben Trott wie vor dem mutigen Schritt ins Audimax. Kotzen und heulen gleichzeitig könnte ich beim Gedanken daran, so zu enden. Und wie ich heute erlebte, befinden wir uns auf dem besten Weg eben dahin!!! Viel Spaß, Freunde, diesen Weg werde ich verlassen. Aber weil ich mich nicht still und schweigend aus dem Staub machen wollte, wie viele Dutzend andere vor mir, schreibe ich.

Ich kann nicht ertragen, wie das Audi zerfällt! Nicht ertragen, wie Dummköpfe mit dummen Aktionen Wasser auf die Mühlen derer gießen, die sagen, diese Vandalen sind überhaupt nicht ernst zu nehmen und inhaltslose Trottel. Nicht ertragen, wie nicht nur das unser gemeinsames Universitätseigentum beschädigt wird, sondern auch das von den Besetzern selbst mühevoll zusammengetragene Strukturkrams. Vom materiellen Wert diverser persönlicher Gegenstände will ich gar nicht erst anfangen!

Warum sollte ich mich gegen eine Räumung aussprechen`? Das frage ich mich seit heute… Ich wünschte, ich würde wieder gute Gründe dafür finden.
Niemand würde auch nur mit dem Gedanken einer Räumung spielen, wenn es statt Edding-Tags mal Ergebnisse von Arbeitsgruppen geben würde. Wenn statt einigen Randalierern im Audi endlich wieder einmal um die Zukunft besorgte Studenten wären, und Themen diskutierten, die VIELE an der Universität augenscheinlich betreffen. Bis vor 2 Wochen konnte ich mit Überzeugung sagen, es gibt ernsthafte Arbeitsprozesse. Nichts gegen Spaß und auch nichts gegen Kissenschlachten, aber das sich im Moment niemand aktiv und engagiert gegen die Zerstörung nicht nur des Audimax, sondern auch der damit verbundenen Ideen einsetzt, kann ich nicht ertragen.
Bislang hat es das Plenum ja nicht einmal geschafft, sich öffentlich, klar, deutlich und konsequent gegen die Beschädigungen auszusprechen. Ein Armutszeugnis.

Wenn sich in den kommenden Tagen & Wochen, wie auch immer diese aussehen werden, kein ernsthafte inhaltliche Perspektive für diesen Raum findet, die sich reflektierend mit den Vorkommnissen auseinandersetzt und neue Wege zu gehen bereit ist, dann ist spätestens in den ersten Wochen nach den Ferien der Traum geplatzt.

Ich konnte es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren, weiter Teil der Zerstörung zu sein und kann an dieser Stelle nur meinen tiefen Wunsch nach Diskussion zum Ausdruck bringen. Zunächst hier online.

Und wenn sich abzeichnen sollte, das es Motivationen zu einer radikalen Umstrukturierung gibt, bin ich gern bereit, in kleinen oder großen Arbeitsgruppen Konzepte zu erarbeiten. Vorbereitungen dafür könnten online, wie auch nach Weihnachten im Audi beginnen und sich dann auf einen großen, 2-tägigen PerspektivWorkshop hin am 2. UND 3. Januar konzentrieren.

Alle, die je im Audi irgend eine Art von Verantwortung trugen müssen sich an dieser Stelle fragen, wie ein scheitern in letzter Minute verhindert werden kann.

Wer, wenn nicht wir ???

Wann, wenn nicht jetzt ???

Wo, wenn nicht hier ???

frohes fest…
daniel

Quelle: http://203301.homepagemodules.de/t14f2-Das-Ende-ist-nah.html

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6 Kommentare leave one →
  1. Björn permalink
    23. Dezember 2009 00:54

    Super!!!! Bin absolut deiner Meinung…

  2. Unvollkommen permalink
    23. Dezember 2009 04:26

    Also auch wenn ich heute nicht mehr hochschulpolitisch aktiv bin (jedenfalls nicht in der aktuellen Audimax-Besetzung), so möchte ich doch ein paar generelle Anmerkungen machen:
    – Ich weiß ja nicht, ob so eine generelle Kritik, die sich ja auch tendenziell an die aktiven Leute richtet, in einem öffentlichen Blog gut aufgehoben ist. Ich sehe schon die Bild-Zeitung eine Schlagzeile produzieren. Nichts gegen Selbstkritik, aber die Frage ist ja schon, wen sie erreichen soll und ob es nicht zweckmäßiger ist, sie über Verteiler zu schicken.
    – Insofern würde ich mir auch überlegen, ob ich Fischer mal eben das Audimax zeige, er mag ja ein netter Kerl sein, aber er hat seine eigenen Interessen und wenn die nicht mit unseren übereinstimmen, was auch schon des öfteren mal vorkam, dann ist das nicht so prickelnd. Er kennt natürlich solche Streiks und Besetzungen zur Genüge (er meinte in einem Gespräch beim Streik 2003 mal, er kenne solche Proteste ja von „beiden Seiten“ um gleich mal zu markieren, wer hier den Durchblick hat). Insofern war er wohl auch nicht sonderlich überrascht, ein gutes Bild gibt sowas aber natürlich nicht ab und es wird die Entscheidung des Präsidiums sicher beeinflussen.
    – Ich kann auch schwer abschätzen wie es ist ein Gebäude über Weihnachten zu besetzen (wir sind 2003 ja nicht 24h vor Ort gewesen, sondern nachts und in den Ferien einfach nach Hause gegangen, wie auch bei der Bestreikung des Pferdestalls), aber ich hoffe es sind ständig Leute da, die sich dafür verantwortlich fühlen, ansonsten ist das ja eher ein Rohrkrepier und entweder für die Reinigunskräfte oder aber für die Protestierenden, die die Räume wieder nutzbar machen wollen (indem sie sie aufräumen) eine Zumutung. Ich finde auch nicht, dass es irgendwie zuviel verlangt ist, von den „Bewohnenden“ zu verlangen, dass sie dafür sorgen, dass die Räume benutzbar sind. Ich bin natürlich sensibel, was das Rausschmeißen von Leuten betrifft, aber ein gewisses Verhalten kann schon verlangt werden und nur so ist ein Zusammenleben auch möglich. Was die Tags betrifft, so finde ich das jetzt nicht sonderlich überraschend, letztendlich kann ja sowas einen Raum auch auflockern (na gut, ich würde solche Wandgemälde bevorzugen, wie sie aus dem Streik 1988/89 ja teilweise im Phil-Turm übriggelassen wurden…).
    – Als Erfahrung aus dem Streik 2003 kann ich auch sagen, dass es nicht unbedingt sinnvoll ist, etwas bis zum Ende (in diesem Fall die vorlesungsfreie Zeit) durchzuziehen, nur weil mensch es prinzipiell richtig findet. Wenn die Leute, die es machen, immer mehr abbröckeln und wenige immer mehr machen müssen, ist das eher demotivierend und vielleicht hätten wir mehr gewonnen (auch an hochschulpolitischen Engagement danach), wenn wir damals früher aufgehört bzw. eine andere Strategie gewählt hätten. Im Januar dürfte ja dann auch die Prüfungen kommen…
    – Ich finde es auch sehr schade, dass sich nur sowenige linke Leute an konkreten Projekten oder in irgendwelchen Gremien an der Uni beteiligen. Andererseits kann ich auch verstehen, wenn viele dazu keine Lust haben und insofern lässt sich da nur Überzeugungsarbeit leisten. Viele Leute schreckt einfach auch der Umgang miteinander in solchen Gremien und die geringen Möglichkeiten etwas zu ändern, die aber gleichzeitig mit einem sehr hohen Aufwand verbunden sind, ab. Das Ganze paart sich dann noch mit einer grundsätzlichen „Anti“-Haltung. Wenn ich mir gewisse Gremien wie das Stupa anschaue (und der AS war auch nicht besser als Liste Links noch drinnen waren), dann ist es doch eher eine gute Persiflage auf den Parlamentarismus, mit zwei Gruppen (Liste Links und AStA) die sich redlich mühen „Bundestag“ zu spielen (naja, zieht mensch mal die ermüdenden GO-Tricks ab). An Lächerlichkeit kaum zu überbieten, leider hat mensch ja aber auch ein ernsthaftes Anliegen wenn mensch Parlamentarier/in oder Zuschauer/in ist und will sich kein Kabarett angucken. Leider macht Liste Links in den Gremien aber einigen Boden gut, weil sie fast die Einzigen „Linken“ sind, die sich ernsthaft und mit Feuereifer selbst mit den kleinsten Details beschäftigen. Leider, weil sie politisch einfach vor 30 Jahren stehengeblieben sind und deswegen erstens keinen mensch mehr erreichen (mensch denke z.B. an dieses ganze Gelaber von Humanismus, bei dem ich immer das Gefühl habe, sie wollten eigtl. über Sozialismus sprechen – was mir im übrigen sympatischer wäre) und zweitens teilweise unsägliche poilitische Positionen, was Queer/Feminismus etc. betrifft. Ich wurde auch schonmal als Antikommunist beschimpft, weil ich die DDR nicht so cool und ihren Vergleich des AStA mit Faschisten unpassend fand. Drittens nerven sie einfach mit ihrem dominanten Redeverhalten, mit dem sie einfach alles irgendwie sprengen (irgendwann bestanden 2003 die Plena nur noch aus ihnen selber…). Gut, dass ich mich mit solchen politischen Irrgängern nicht mehr auseinandersetzen muss, aber da wirst Du sicher eine andere Meinung haben….

  3. Du machst keinen Sinn. Nur Geld. permalink
    23. Dezember 2009 05:23

    Wenn wir groß sind, werden wir alle Humankapital

  4. Magnus H. permalink
    23. Dezember 2009 14:28

    Danke für diesen Beitrag. Bislang fand ich die Proteste eigentlich gut, aber anscheinend hätte ich ab und zu da mal vorbei kommen sollen…

  5. Chris permalink
    24. Dezember 2009 00:12

    Hey,

    es ist doch keine 2 – einhalb Wochen her, da ist im Audimax die „Woche der Demokratie“ zu Ende gegangen. Ich war leider nie da und habe seitdem auch nichts mehr gehört, aber es hörte sich ja so an, als ob eine Woche intensiv gearbeitet, debattiert und Positionen gebildet werde… eine optimale Ausgangslage, um den Protest inhaltlich eine Perspektive für´s neue Jahr zu geben.

    Aber das hört sich ja so an, als sei da überhaupt nichts bei rumgekommen. Hat die „Woche der Demokratie“ denn überhaupt stattgefunden?

    Chris

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