Skip to content

Keine Stimme den Fachbereichslisten – Gegen „unpolitische“ studentische „Hochschulpolitik“

12. Januar 2010

An der Uni Hamburg laufen in dieser Woche die Urnenwahlen zum Studierendenparlament. Da die Sitzverteilung im Stupa über die mögliche AStA-Koalition entscheidet, hat der Ausgang der Wahl entscheidende Bedeutung für die Ausrichtung der Hochschulpolitik im kommenden Jahr! Außerdem besteht die realistische Möglichkeit, die Mehrheitsverhältnisse so zu verändern, dass die Realo-Juso-dominierte Koalition, die in den letzten Jahren den AStA gestellt hat, ihre Stimmenmehrheit verliert.

Die aktuelle Rolle von Fachbereichslisten
Ein Drittel der 47 Sitze im Studierendenparlament wird derzeit von Kandidat_innen aus vier so genannten Fachbereichslisten besetzt, namentlich der Geisteswissenschaften-(Geiwi-)Liste (aktueller Slogan: „Fordernd und Fördernd“) und der Jura-Liste (aktuelle Parole: „Vielseitig – Für das Rechtshaus“) mit jeweils 3 Sitzen und der Mediziner- und Wiwi-Liste („Wir sind täglich für dich im Einsatz“) mit 4 Sitzen.
Zu den diesjährigen Stupa-Wahlen kandidiert mit der EPB-Liste (Slogan: „Dein Studium – Deine Entscheidung“) eine weitere Fachbereichsliste. Diese Liste ist am Fachbereich in den letzten Semestern bisher nicht in Aktion getreten und versucht augenscheinlich, mit ihrer Wahlwerbung die Protestbewegung der letzten Semester an der Fakultät EPB zu  instrumentalisieren um Stimmen zu gewinnen. Die Fachschaftsräte der Fakultät EPB haben sich in einer Erklärung explizit gegen die Praktiken dieser Liste ausgesprochen (siehe )  Der FSR Geschichte hat die Geiwi-Liste auf’s Korn genommen: KlHistorix27

Was ist das Problematische an Fachbereichslisten?
Die aktuell zur Wahl stehenden Fachbereichslisten zeichnen sich durch eine vordergründig unpolitische Haltung aus.
Der Anspruch, Hochschulpolitik zu betreiben, ist bspw. für die Jura-Liste automatisch „ideologische Verblendung“. Davon spricht sie sich frei. Sie will pragmatisch und ohne auch nur den Hauch einer Idee von grundsätzlicher Kritik „die Interessen der Studierenden im Vordergrund“ platzieren. Wie es dahinter aussieht, interessiert hier anscheinend nicht weiter.

Bei den Mitgliedern der Wiwi-Liste, die zu einem großen Teil auch Mitglieder des FSR sind, scheint Verwirrung über die Aufgaben eines Fachschaftsrats und die einer hochschulpolitischen Liste zu bestehen: „Schwierigkeiten und Ärgernisse“ sollen behoben werden, damit „du studieren kannst, wie du es willst!“. Im nächsten Jahr wird die Wiwi-Liste nach Selbstauskunft in der Wahlzeitung „für höhere Ausleihbestände in der Wiwi-Bibliothek“ sorgen. Außerdem will sie „einen Wiwi Aufenthaltsraum und Treffpunkt – mit bequemen Sofas“ durchsetzen und sich für Schließfächer, „die man monatsweise mieten kann“ einsetzen. Hier wird Fachschaftsratarbeit mit dem Anspruch auf Mitsprache im Studierendenparlament verwechselt.
Wie es im Übrigen aussieht, wenn sich Vertreterinnen der Wiwi-Liste mit gesellschaftspolitischen Fragen beschäftigen, lässt sich am Beispiel eines Interviews von UniTV mit Jasmin Fischer, studentischer Gleichstellungsbeauftragter und Initiatorin der „Frauenhochschulwoche“ betrachten:  O-Ton J.Fischer: „Das besondere an Frauen, ist, dass sie eine andere Art und Weise haben, an Probleme heranzugehen und sich in ein Unternehmen oder in die Gesellschaft einzubringen.“ Emanzipation spielt sich angeblich im Wesentlichen im Konkurrenzkampf um attraktive Karriereposten ab… Aha, waren wir da nicht schon einmal weiter?

Die Fachbereichslisten versuchen, mit dem Bewerben von Grundelementen der Fachschafts-/rat-Arbeit (z.B. Sofa-Ecken organisieren) Stimmen zu bekommen, obwohl ihnen jenseits von Servicebereitstellung zu hochschulpolitischen Fragen nicht viel programmatisches einfällt, das über die Verfolgung von beschränkten Partikularinteressen bestimmter Fachbereiche und Fakultäten hinausgeht.
Darauf, dass diese Listen etwas Grundsätzliches gegen die aktuell laufende (natürlich total „ideologiefreie“, fast schon naturgesetzliche, einzig mögliche) Umwandlung der Hochschulen in Unternehmen unternehmen werden, braucht erst recht niemand zu zählen…

Für aktive Hochschulpolitik statt Verfolgen von Partikularinteressen

Dabei ist eine Positionierung der verfassten Studierendenschaft gegenüber der Hochschul- und Wissenschaftspolitik des Hamburger Senats, der Kultusministerkonferenz, der Europäischen Union etc. von großer Bedeutung und diese Positionierung muss, wenn sie nicht nur für ein prinzipielles „Einverstanden-Sein“ stehen soll, eine POLITISCHE Positionierung sein! Wer gegen die Entmachtung und den Abbau von demokratischen Gremien, die Einführung von Studiengebühren, das finanzielle Ausbluten der Universität wirklich etwas unternehmen will, muss mehr als nur kleine konstruktive Änderungen zur Prozessoptimierung fordern!
Das „Service-Angebot“ des AStA – juristische Beratung und anwaltliche Unterstützung von Studierenden, Job- und Wohnungsbörse – gehört zu den Basics einer jeden AStA-Arbeit, es ist jedoch nur Grundlage für politische, kulturelle und selbstorganisierte Bildungsarbeit. Darum: Wählen gehen! Für einen politischen AStA!

Wir können Einkommen Und Arbeitspflichten ZZZum Leben haben […]

Wir können unterscheiden Zwischen Drinnen und Draußen

Zwischen An-und Verkaufen

Weil wir einverstanden sind […]

Wir können uns gar nicht mehr entsinnen Wofür denn ein Verstand erklingt

Es ist alles gut Mutter […]

(Die Goldenen Zitronen – Einverstanden (1998 Dead School Hamburg (Give me a Vollzeitarbeit)** ))

Ein Drittel der 47 Sitze im Studierendenparlament wird derzeit von Kandidat_innen aus vier so genannten Fachbereichslisten besetzt, namentlich der Geisteswissenschaften-(Geiwi-)Liste (aktueller Slogan: „Fordernd und Fördernd“) und der Jura-Liste (aktuelle Parole: „Vielseitig – Für das Rechtshaus“) mit jeweils 3 Sitzen und der Mediziner- und Wiwi-Liste („Wir sind täglich für dich im Einsatz“) mit 4 Sitzen.

Zu den diesjährigen Stupa-Wahlen kandidiert mit der EPB-Liste (Slogan: „Dein Studium – Deine Entscheidung“) eine weitere Fachbereichsliste. Diese Liste ist am Fachbereich in den letzten Semestern bisher nicht in Aktion getreten und versucht augenscheinlich, mit ihrer Wahlwerbung die Protestbewegung der letzten Semester an der Fakultät EPB zu instrumentalisieren um Stimmen zu gewinnen. Die Fachschaftsräte der Fakultät EPB haben sich in einer Erklärung explizit gegen die Praktiken dieser Liste ausgesprochen (siehe http://tinyurl.com/yjzr3qs)

Was ist das Problematische an Fachbereichslisten?

Die aktuell zur Wahl stehenden Fachbereichslisten zeichnen sich durch eine vordergründig unpolitische Haltung aus.

Der Anspruch, Hochschulpolitik zu betreiben, ist bspw. für die Jura-Liste automatisch „ideologische Verblendung“. Davon spricht sie sich frei. Sie will pragmatisch und ohne auch nur den Hauch einer Idee von grundsätzlicher Kritik „die Interessen der Studierenden im Vordergrund“ platzieren. Wie es dahinter aussieht, interessiert hier anscheinend nicht weiter. Bei den Mitgliedern der Wiwi-Liste, die zu einem großen Teil auch Mitglieder des FSR sind, scheint Verwirrung über die Aufgaben eines Fachschaftsrats und die einer hochschulpolitischen Liste zu bestehen: „Schwierigkeiten und Ärgernisse“ sollen behoben werden, damit „du studieren kannst, wie du es willst!“. Im nächsten Jahr wird die Wiwi-Liste nach Selbstauskunft in der Wahlzeitung „für höhere Ausleihbestände in der Wiwi-Bibliothek“ sorgen. Außerdem will sie „einen Wiwi Aufenthaltsraum und Treffpunkt – mit bequemen Sofas“ durchsetzen und sich für Schließfächer, „die man monatsweise mieten kann“ einsetzen. Hier wird Fachschaftsratarbeit mit dem Anspruch auf Mitsprache im Studierendenparlament verwechselt.

Wie es im Übrigen aussieht, wenn sich Vertreterinnen der Wiwi-Liste mit gesellschaftspolitischen Fragen beschäftigen, lässt sich am Beispiel eines Interviews mit Jasmin Fischer, studentischer Gleichstellungsbeauftragter und Initiatorin der „Frauenhochschulwoche“ betrachten: http://www.youtube.com/watch?v=CY0MsK0dcJM. O-Ton J.Fischer: „Das besondere an Frauen, ist, dass sie eine andere Art und Weise haben, an Probleme heranzugehen und sich in ein Unternehmen oder in die Gesellschaft einzubringen.“ Emanzipation spielt sich angeblich im Wesentlichen im Konkurrenzkampf um attraktive Karriereposten ab… Aha, waren wir da nicht schon einmal weiter?

Die Fachbereichslisten versuchen, mit dem Bewerben von Grundelementen der Fachschafts-/rat-Arbeit (z.B. Sofa-Ecken organisieren) Stimmen zu bekommen, obwohl ihnen jenseits von Servicebereitstellung zu hochschulpolitischen Fragen nicht viel programmatisches einfällt, das über die Verfolgung von beschränkten Partikularinteressen bestimmter Fachbereiche und Fakultäten hinausgeht.

Darauf, dass diese Listen etwas Grundsätzliches gegen die aktuell laufende (natürlich total „ideologiefreie“, fast schon naturgesetzliche, einzig mögliche) Umwandlung der Hochschulen in Unternehmen unternehmen werden, braucht niemand zu zählen…

Aktive Hochschulpolitik statt Verfolgen von Partikularinteressen

Dabei ist eine Positionierung der verfassten Studierendenschaft gegenüber der Hochschul- und Wissenschaftspolitik des Hamburger Senats, der Kultusministerkonferenz, der Europäischen Union etc. dringend erforderlich. Diese Positionierung muss, wenn sie nicht nur für ein prinzipielles „Einverstanden-Sein“ stehen soll, eine POLITISCHE Positionierung sein! Wer gegen die Entmachtung und den Abbau von demokratischen Gremien, die Einführung von Studiengebühren, das finanzielle Ausbluten der Universität wirklich etwas unternehmen will, muss mehr als nur kleine konstruktive Änderungen zur Prozessoptimierung fordern!

Das „Service-Angebot“ des AStA – juristische Beratung und anwaltliche Unterstützung von Studierenden, Job- und Wohnungsbörse – gehört zu den Basics einer jeden AStA-Arbeit, es ist jedoch nur Grundlage für politische, kulturelle und selbstorganisierte Bildungsarbeit. Darum: Wählen gehen! Für einen politischen AStA!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s